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Ultra-Bewegung
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Die Ultra-Bewegung bezeichnet eine besondere Organisationsform von Fans eines FuĂballvereins, die sich mittlerweile auch auf andere Sportarten Ăźbertragen hat. In der Regel sehen sie sich als Kern der jeweiligen Fanszene. Die meisten Ultra-Gruppen haben Vertreter, die im Namen der Gruppe mit dem unterstĂźtzten Verein kommunizieren, zum Beispiel um Lagerräume fĂźr Fahnen oder Eintrittskarten fĂźr Auswärtsspiele zu organisieren. Viele Ultras lehnen die zunehmende Kommerzialisierung im Profisport ab und tragen in der Regel keine als Werbeträger genutzten Trikots des unterstĂźtzten Vereins.cite-ref-1[1]
Bei den Ultras handelt es sich um eine heterogene Bewegung. National und zwischen den jeweiligen Szenen unterscheiden sie sich teils hinsichtlich der Altersstruktur, der Art der UnterstĂźtzung, der politischen Ăberzeugungen und der Akzeptanz von Gewalt.cite-ref-0-2-0[2]cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]cite-ref-5-5-0[5]cite-ref-6-6-0[6] FĂźr internationales Aufsehen sorgte die Beteiligung von Ultras am Arabischen FrĂźhling und bei den Protesten in der TĂźrkei 2013.cite-ref-0-2-1[2]cite-ref-5-5-1[5]cite-ref-6-6-1[6]cite-ref-4-7-0[7]
Contents
⢠Aktivitäten
⢠Gruppenstruktur
⢠Kritik
⢠Italien
⢠Frankreich
⢠Deutschland
⢠Ăsterreich
⢠Schweiz
⢠Niederlande
⢠Polen
⢠Portugal
⢠Tßrkei
⢠Griechenland
⢠Kroatien
⢠Serbien
⢠Dänemark
⢠Schweden
⢠Ukraine
⢠Bulgarien
⢠Rumänien
⢠Slowenien
⢠Spanien
⢠Handball
⢠Eishockey
⢠Basketball
⢠Literatur
⢠Kunst
⢠Audio
⢠Interview
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Aktivitäten
Bei Ultras handelt es sich um fanatische Anhänger, deren Ziel es ist, ihren Verein auf mÜglichst kreative Weise zu unterstßtzen. Dies versuchen sie meist mit akustischen Mitteln wie Trommeln, Gesängen, Megaphonen und visuellen bzw. optischen Mitteln wie Fahnen, Choreographien, Bannern, Pyrotechnik bzw. bengalische Feuer und Konfettiregen. Akustische Aktionen werden in den meisten Fällen von einem oder mehreren sogenannten Capos geleitet, die fßr die akustische Unterstßtzung zuständig sind und ihn in den Fankurven organisieren. Der Capo koordiniert die Fangesänge meist mithilfe eines Megaphons.cite-ref-8[8]
Ultras stehen der VereinsfĂźhrung in der Regel kritischer gegenĂźber als andere Fans. FĂźr sie stehen Themen wie der Erhalt der Fan-Kultur und der Identität oft im Konflikt zu Entscheidungen der Verantwortlichen der Vereine, die die Ultras als wirtschaftlich motiviert bewerten bzw. als âKommerzialisierung des Sportsâ kritisieren.
Ein weiteres wichtiges Thema ist der Protest gegen das als WillkĂźr und Repression empfundene Vorgehen von Polizei und Ordnern gegen FuĂballfans aller Couleur, oftmals mit SprechchĂśren wie z. B. âAll Cops Are Bastards â A.C.A.B.!â oder in Deutschland mit âFuĂballfans sind keine Verbrecherâ. Besonders bei diesem Thema gibt es einen groĂen Zusammenhalt zwischen Ultra-Gruppierungen eigentlich rivalisierender Vereine. So bekundeten im FrĂźhjahr 2008 mehrere Gruppen ihre Solidarität mit den Ultras Gelsenkirchen. Einige Spieltage zuvor waren bei einem GroĂeinsatz der Polizei an einem Fan-Treffpunkt der Schalker die Daten von 190 Personen aufgenommen worden.cite-ref-9[9] Protestaktionen richten sich auch gegen die den Ultras zufolge oft ungerechtfertigten Stadionverbote.
Bei politischen Konflikten haben Ultra-Gruppen Stellung bezogen. So beteiligten sich die Ultras Al-Ahlawy des ägyptischen Vereins al Ahly Kairo, die Ultras White Knights von Zamalek SC und andere Ultra-Gruppen an der Revolution in Ăgypten 2011.cite-ref-0-2-2[2]cite-ref-4-7-1[7]cite-ref-10[10] Sie traten als Verteidigung der Aufständischen des Tahrir-Platz gegenĂźber der Polizei auf. DarĂźber hinaus beteiligten sie sich auch an der Aufrechterhaltung der Infrastruktur der besetzten Plätze und an Graffiti.cite-ref-0-2-3[2]cite-ref-5-5-2[5] Im Februar 2012 wurden Fans und die Ultras Al-Ahlawy nach einem FuĂballspiel angegriffen, was zu vielen Toten fĂźhrte. Es wird vermutet, dass dieser Angriff von Revolutionsgegnern gesteuert wurde.cite-ref-4-7-2[7]cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]
An den Protesten auf dem Taksim-Platz in Istanbul beteiligten sich Ultra-Gruppierungen der Vereine Fenerbahçe Istanbul, Galatasaray Istanbul und BeĹiktaĹ Istanbul.cite-ref-6-6-2[6]cite-ref-4-7-3[7]cite-ref-2-13-0[13]cite-ref-14[14]
In der Ukraine waren im Rahmen der Euromaidan-Proteste Ultra-Gruppierungen verschiedener Vereine der Premjer-Liha an den (zum Teil gewalttätigen) Aktionen aktiv beteiligt.cite-ref-15[15]cite-ref-1-16-0[16]cite-ref-3-17-0[17]
Jedoch agieren viele Ultra-Gruppierungen âunpolitischâ in dem Sinne, dass sie sich auf Sportpolitik sowie Politik, die sich auf die Fankultur direkt auswirkt, beschränken und allgemeinpolitisches Engagement ablehnen.cite-ref-18[18]
Viele Ultra-Gruppierungen pflegen Freundschaften zu Gruppierungen anderer Vereine und unterstĂźtzen sich oft gegenseitig.
Gruppenstruktur
Die Struktur von Ultragruppierungen in Deutschland kann sich stark unterscheiden und liegt im individuellen Ermessen der jeweiligen Gruppe. Viele Gruppen orientieren sich allerdings an den traditionellen Gruppen in Italien, wobei auch der Einfluss osteuropäischer Strukturen bemerkbar ist.
Ultragruppen italienischen Stils sind in der Regel wie folgt strukturiert:
⢠Direttivo (italienisch fĂźr Vorstand bzw. Leitung); Die gewählten AnfĂźhrer der Ultragruppe. Die Anzahl schwankt in der Regel zwischen 2 und 10 Mitgliedern. Als AnfĂźhrer vertreten sie die Gruppe gegenĂźber AuĂenstehenden und bestimmen den Kurs der Ultragruppe. Häufig, aber nicht immer, ist der Capo (Vorsänger) Teil des Direttivos.
⢠Membri (italienisch fßr (Stamm-)Mitglieder): feste, in die Gruppenstrukturen eingebundene Mitglieder, die häufig wichtige Aufgaben innerhalb der Gruppe wahrnehmen (Verkauf von selbst produzierten Fanartikeln, Schreiben des Spieltagflyers bzw. Kurvenhefts, Organisation der Auswärtsfahrten, Anschaffung der Choreographiematerialien etc.)
⢠Membri Convogliatori (italienisch fßr (FÜrder-)Mitglieder): In der Regel fßr Interessierte der erste Anlaufpunkt um in die Gruppe aufgenommen zu werden. Als FÜrdermitglied zahlt man monatlich bzw. jährlich den Gruppenbeitrag und darf an verschiedenen Aktivitäten der Gruppe teilnehmen, allerdings sind sie keine vollwertigen Mitglieder und dßrfen in der Regel das Direttivo nicht wählen.
⢠Gruppo Juniores (italienisch fßr Nachwuchsgruppe): Fßr Jugendliche, die ein Alter unter dem Mindestalter fßr die Aufnahme als Mitglied haben (in der Regel unter 16 oder 18) und trotzdem am Gruppenleben teilhaben wollen. Häufig werden sie bei Erreichen des Mindestalters in die Gruppe aufgenommen.
Geschichte der Bewegung
Die Anfänge (1950 bis 1960)
Die Ultra-Bewegung hat ihre Wurzeln in Italien der frĂźhen 1950er und 1960er, als sich erstmals âFuĂballverrĂźckteâ in Gruppen zusammenschlossen, um ihre jeweiligen Lieblingsmannschaften gemeinsam organisiert zu unterstĂźtzen. Der Name der Bewegung geht angeblich auf eine italienische Zeitung zurĂźck, die Anhänger des AC Torino als âUltraâ bezeichnete, als diese nach einer 2:3-Niederlage einen Schiedsrichter bis zum Flughafen verfolgten. Ultra ist ein lateinisches Wort und bedeutet auf Deutsch darĂźber hinaus.
Welche Ultragruppierung genau die erste Gruppe war, lässt sich nicht genau feststellen und wird bis heute in der Ultraszene heftig diskutiert.
Die Ultras Fedelissimi Granata (gegrßndet 1951) aus Turin und Ultras Sant Alberto aus Genua dßrften aber auf jeden Fall zu den ersten Ultras in Italien zählen. Beide kamen aus wichtigen Städten der Arbeiterbewegung und ßbernahmen die Fahnen, Trommeln, Transparente, Megafone und Pyrotechnik der Demonstrationen in jener aufgeheizten politischen Zeit in Italien und brachten diese mit in die Stadien.
Ebenfalls den Titel als erste Ultragruppierung Europas beansprucht die Torcida 1950 vom Verein Hajduk Split aus Kroatien, welche sich allerdings nach dem Vorbild der brasilianischen Torcidas grßndete (siehe auch Abschnitt; ähnliche Subkulturen) und sich erst später der Ultrabewegung zugewandt hat.
Etablierung der Bewegung in Italien und Entwicklung der âUltra-Mentalitätâ (1960er Jahre)
Nach dem Vorbild aus Genua und Turin grßndeten sich landesweit Ultragruppen, wenngleich diese in der Anfangszeit eher normalen Supportern glichen. Als erste Gruppe, die sich selber ein Manifest auflegte und den Ultragedanken mit Leben und Regeln fßllte, gelten die Fossa dei Leoni des AC Mailand, die sich 1968 grßndeten und deren Mentalität sich mehrere Gruppen in Italien und bis heute weltweit zum Vorbild nehmen.
Nach dem Manifest der Fossas sollten Ultras unter anderem autonom von Vereinen, Verbänden, Polizei und anderen Autoritäten sein und um die Eigenständigkeit zu schßtzen, sich selbst finanzieren durch Mitgliedsbeiträge und Spenden.
In Griechenland grĂźndete sich 1966 mit der Gate 13 des Hauptstadtklubs Panathinaikos Athen eine der ersten Ultragruppen auĂerhalb Italiens.
HÜhepunkte der Ultras in Italien und Ausbreitung der Bewegung in andere Länder (1970er und 1980er Jahre)
Die Ultrabewegung entwickelte sich ab den 1970er Jahren immer mehr zur Massenbewegung. Da der italienische Staat MĂźhe hatte zu dieser Zeit die Ăśffentliche Ordnung auf den StraĂen zu gewährleisten und die politischen Auseinandersetzungen immer bĂźrgerkriegsähnlicher wurden, hatten die Ultras zu dieser Zeit freie Hand auf den TribĂźnen und konnten sich ungestĂśrt entwickeln. Einige Gruppierungen erreichten Mitgliederzahlen von mehr als 10.000 Mitgliedern.
Bekannte Gruppen jener Zeit sind neben den Fossa dei Leoni und den Granata Torino die Black & White Fighters Storico 1977 (Juventus Turin), die Commando Ultras Napoli 1972 (SSC Neapel), Boys S.A.N. 1969 (Inter Mailand), Collettivo Autonomo Viola (AC Florenz), BNA Atalanta (Atalanta Bergamo), Brigate Gialloblu 1971 (Hellas Verona), Commando Ultra Curva Sud (AS Rom) und viele weitere.
In Spanien entstand mit der Biris Norte in Sevilla 1975 die erste Ultragruppe Spaniens. Bald breitete sich die Bewegung auch in Spanien aus.
Ebenso grĂźndete sich 1976 die erste Ultragruppierung Portugals, die Juventude Leonida von Sporting Lissabon.
Auch in Griechenland verbreitete sich die Bewegung in den 1970ern stark und es wurden bekannte Gruppen wie Gate 4 (PAOK Saloniki), Gate 7 (Piräus) oder Super 3 (Aris Saloniki) gegrßndet.
In Frankreich entstanden in Marseille und Paris die ersten Gruppen in den 1980er Jahren.
Im deutschsprachigen Raum waren die Fortuna Eagles Supporters 1986 von Fortuna KÜln die ersten, zwei Jahre später entstand die erste Üsterreichische Ultragruppe, die Ultras Rapid 1988.
Ausbreitung in Europa und Stagnation in Italien (1990er Jahre)
In Italien kam es in den 1990er Jahren zu einer Stagnation der Bewegung, da der italienische Staat härter gegen Ultras vorging und es auf den Tribßnen zu politischen Flßgelkämpfen zwischen Ultragruppen kam. Auch die in Italien omnipräsente Mafia versuchte ab jener Zeit ihren Einfluss auf einige Ultragruppen auszubauen.
Auch in Spanien entwickelte sich die Situation zunehmend negativ fßr die Ultras, da sie ab den späten 1980er Jahren sich stark mit der Kultur der Skinheads vermischte und häufig deren politische Radikalität ßbernahmen.
FĂźr die deutsche, Ăśsterreichische und schweizerische Szene gelten die 1990er Jahre als GrĂźndungs- und Experimentierphase.
Durch die Ăffnung des Eisernen Vorhangs verbreiteten sich Ultras auch in osteuropäische Länder, wobei hier noch mindestens bis zur Jahrtausendwende die Hooligan-Gruppierungen einen grĂśĂeren Zulauf zu verzeichnen hatten.
Boom in Europa und Anfänge auĂerhalb Europas (2000er Jahre)
Ab den 2000ern wuchsen insbesondere im deutschsprachigen Raum Ultragruppen explosionsartig und auch in vielen anderen europäischen Ländern wuchs die Bewegung.
Währenddessen kam die italienische Bewegung spätestens mit dem Tod des Polizisten Filippo Raciti 2007 stark in Bedrängnis.cite-ref-19[19]
Gleichzeitig lÜsten sich viele bekannte Ultragruppen, die die italienische Ultraszene geprägt haben, auf und es kam zu einem drastischen Mitgliederschwund.
In Nordafrika grßndeten sich bereits in Tunesien Ende der 1990er erste Ultragruppen. In den 2000er Jahren entstanden in ganz Nordafrika, in vielen Ländern in Vorderasien, in den USA, Kanada, Australien, Japan, Sßdkorea, China, Vietnam, Indonesien, Indien, Thailand und einigen weiteren Ländern erstmals Ultragruppen.
Zuerst belächelt und von europäischen Ultras nicht ernst genommen, wuchsen die dortigen Ultraszenen stetig.
Boom in nicht-europäischen Ländern und Erholung der italienischen Szene (ab 2010)
Durch das Internet ergaben sich fĂźr die Ultraszenen weltweit neue MĂśglichkeiten des Austauschs und des gegenseitigen Vergleichs. Insbesondere Youtube wurde in den Ultraszenen sehr populär, um die Choreographien, Pyroshows etc. aus anderen Ländern oder Szenen zu betrachten und auch häufig zu kopieren. Insbesondere in Nordafrika entwickelt sich die Ultraszene seit den 2000er Jahren rasant zu einer ähnlichen Massenbewegung wie in Italien in den 1980er Jahren, teilweise auch mit starkem politischen Einfluss, wie die Ereignisse in Ăgypten 2011 zeigten.cite-ref-20[20]
Währenddessen erholte sich die italienische Ultraszene, gegen die ab 2007 eine Reihe von Gesetzen erlassen wurden, wieder. Sie bleibt aber seither hinter ihren Hochzeiten der 1980er Jahre zurßck, als die italienische Ultraszene mehr als 200.000 Mitglieder zählte.
Abgrenzung zu Hooligans
Während bei Hooligans die gewalttätige Auseinandersetzung mit anderen Gruppen im Vordergrund steht und FuĂballspiele oft nur einen Anlass dazu bieten, steht bei Ultras der Sport im Vordergrund; allerdings sind bei manchen Ultra-Gruppierungen Schlägereien und Krawalle ein akzeptiertes Mittel der Durchsetzung von Faninteressen und der Auseinandersetzung mit gegnerischen Fan-Gruppen. Aus diesem Grund werden die Ultras in Medien und Ăśffentlicher Wahrnehmung oft mit âHooligansâ bzw. mit Gewaltbereitschaft assoziiert. Ein groĂer Teil der deutschen Ultraszene betont jedoch, dass man sich nicht als âGewalt suchendâ definiere. Allerdings setze man sich bei kĂśrperlichen Ăbergriffen auf die eigene Gruppe entsprechend zur Wehr. Viele Ultragruppierungen in Deutschland beklagen auch, dass die Polizei zunehmend versuche, ihnen ein Stigma der Gewaltbereitschaft anzuheften, da diese nach dem Zerfall der klassischen Hooliganszene nun ein neues Betätigungsfeld im Rahmen von FuĂballspielen brauche.cite-ref-21[21]
Das Stehlen von gegnerischen Fanutensilien, insbesondere von Schals und Fahnen, kann Schlägereien auslÜsen. Die Zaunfahne ist bei vielen Gruppen das Herzstßck; sie repräsentiert die jeweilige Gruppe und zeigt die Präsenz, ein Verlust stellt somit eine symbolische Niederlage dar und hat oft die komplette AuflÜsung der Gruppe zur Folge.
Das Verhältnis zwischen Hooligans und Ultras war eine Zeit vornehmlich in Deutschland schwierig. Zeitweise gab es in vielen Städten regelrechte Revierkämpfe zwischen den beiden Subkulturen. Mittlerweile sind die Ultras daraus als die dominante Subkultur hervorgegangen und viele Alt-Hooligans haben sich mit den Ultras inzwischen arrangiert. In jßngerer Zeit ist bei einem Teil der Ultras eine gewisse Radikalität zu beobachten, die unter anderem vom Fanforscher Gunter A. Pilz als Hooltras bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um Ultras, die sich selber als solche sehen, aber teilweise wie Hooligans agieren. Ein bekanntes Beispiel dafßr ist die mittlerweile aufgelÜste Gruppe 0231 Riot (Borussia Dortmund), die von einigen als Wegbereiter fßr diesen Typus betrachtet wird.
Ăhnliche Subkulturen (Barra Brava und Torcida)
In Argentinien entstanden die Barras Bravas und in Brasilien die Torcidas unabhängig von der aus Italien stammenden Ultra-Bewegung.
Mit der GrĂźndung der La Guardia Imperial im Umfeld des Racing Club entstand 1958 die erste Barra, die bald Nachahmer in ganz Argentinien fand.
Die Barras haben besonders in Argentinien eine nahezu totale Kontrolle ßber die Vereinspolitik und verdienen unter anderem bei Spielertransfers jedes Jahr hunderttausende Euro. Auch durch Geldwäsche und Drogenhandel, welcher durch die Korruption im Polizei- und Staatsapparat unterstßtzt wird.
Ăber die Jahre entstanden in ganz SĂźdamerika (auĂer dem GroĂteil von Brasilien) und in Mittelamerika Barra Bravas, auch wenn diese die Bedeutung der argentinischen Barras nicht erreichen.
Die Torcidas in Brasilien entstanden in den 1920er und 1930er Jahren und verbreiteten sich anschlieĂend in ganz Brasilien.
Die Torcidas zeichnet anders als europäische Ultragruppen aus, dass sie nahezu jeden jedes Alters, jedes Geschlechts, jeder Hautfarbe aufnehmen und so viele Gruppen mehr als 20.000 (z. T. sogar 50.000) Mitglieder haben. Die Mitglieder identifizieren sich häufig stärker mit der Torcida als mit der Fankurve, die sie sich z. T. mit anderen Torcidas teilen, mit welchen sie sogar zum Teil verfeindet sind. Aufgrund dessen singt häufig jede Torcida fßr sich ihre Fanlieder.
Viele Torcidagruppen stellen auch eigene Samba-Schulen fĂźr den lokalen Karneval.
Kritik
Kritik innerhalb der FuĂballfanszene
Ein Kritikpunkt an den Ultras ist, dass durch die vorgegebenen Gesänge des âCaposâ die Spontanität, also der Bezug zum aktuellen Spielgeschehen, verloren geht. Dieser Aspekt und jener, dass Ultras eher Gesängen als kurzen Schlachtrufen zugeneigt sind, fĂźhre nicht zum gewollten âPushingâ der eigenen Mannschaft.cite-ref-8-22-0[22]
In vielen Fanszenen spielen die Ultras allein schon deswegen eine dominante Rolle, weil es keine weiteren Gruppierungen gibt, die ihnen ihren Status streitig machen kÜnnten. Das daraus resultierende Missverständnis, die Ultras hätten einen Alleinvertretungsanspruch der Kurve und Befehlsgewalt ßber den Fanblock, fßhrt immer wieder zu Konflikten zwischen Ultras und unorganisierten Fans. So kommt es gelegentlich auch zu Auseinandersetzungen innerhalb einer Kurve. AuslÜser dafßr sind oft Rufe von Personen, die verlangen, dass die Ultras z. B. die Fahnen am Boden halten sollen (da diese die Sicht versperren).cite-ref-8-22-1[22]
Gewalttätigkeit und unerlaubte Pyrotechnik
Ultras stehen auch in der Kritik wegen kĂśrperlicher Angriffe, des Diebstahls von Fanmaterial wie Fahnen oder Schals oder der EinschĂźchterung von Nicht-Ultras. Daneben ernten Ultras auch Kritik fĂźr das Abbrennen von Pyrotechnik (FeuerwerkskĂśrper, bengalische Feuer etc.), das in Deutschland wegen der Gefahr fĂźr unbeteiligte Umstehende verboten ist und entsprechend verfolgt wird.
Verbreitung in Europa
Italien
Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend
Die mitgliederstärksten Jahre der italienischen Ultra-Bewegung waren die 1980er Jahre. Z. B. hatte die Gruppierung Drughi Bianconeri (Juventus Turin) zwischenzeitlich mehr als 10.000 Mitglieder. Auch um 2010 gab es einige Gruppen, die mehr als 10.000 Mitglieder hatten. Einige bekannte Gruppen waren damals Irriducibili Lazio, Ultras Granata, Brigate rossonere Milan, Brescia MU 1911, Curva Nord Bergamo. Bekannte Gruppierungen, die die italienische Ultra-Mentalität geprägt haben, haben sich wegen der andauernden Repression seitens der Lega Calcio und der Polizei aufgelĂśst; genannt seien: Brigate Gialloblu 71 Verona, Bna Atalanta, Commando Ultras Napoli, Verona Front, Collettivo Autonomo Viola.cite-ref-canisciolti-23-0[23] Einen Wendepunkt der Bewegung markiert das Jahr 2007, als die Toten Filippo Raciti (Polizist) und Gabriele Sandri (Lazio-Fan) zum Anlass genommen wurden, die Repression weiter zu verschärfen, Pyrotechnik und Megaphone zu verbieten, nur noch autorisierte Spruchbanner im Stadion zuzulassen und die Fankarte âTessera del Tifosoâ fĂźr Auswärts- und Dauerkarten zur Pflicht zu machen.cite-ref-tifarecontro-24-0[24]
Einige Gruppen hatten einen groĂen Einfluss auf die Vereinspolitik. So durfte z. B. die mittlerweile aufgelĂśste Fossa dei Leoni entscheiden, was von wem in ihrer Fankurve verkauft werden durfte. Einzelne Gruppen hatten eine bestimmte politische Richtung. So gibt es rechtsextreme Fan-Gruppen wie die Irriducibili Lazio, rechtsoffene wie die Skins (mittlerweile aufgelĂśst) oder die Viking Inter,cite-ref-teppista-25-0[25] aber auch neutrale oder linksextreme wie die mittlerweile aufgelĂśste Brigate Autonome Livornesicite-ref-gruber-26-0[26] des AS Livorno Calcio. Um 2010 waren mehr als 445 registrierte Ultra-Gruppen mit mehr als 74.000 Mitgliedern bekannt.cite-ref-27[27]
Am 3. Mai 2014 griffen Ultras des AS Rom Busse von Fans des SSC Napoli an und im folgenden Handgemenge erschoss ein AS Roma-Ultra einen SSC Napoli-Fan. Im Dezember 2018 starb in Mailand ein Fan von Inter Mailand, als mehrere Ultra-Gruppen einen Bus mit Napoli-Fans attackierten.cite-ref-28[28]
Frankreich
Begßnstigt durch die Nähe zu Italien entwickelte sich in den 1980er Jahren besonders im sßdlichen Frankreich ebenfalls eine Ultra-Szene. Die ersten Gruppen bildeten sich in Marseille, nämlich das 'Commando Ultra 84'cite-ref-29[29] und die 'South Winners 87'.cite-ref-30[30] Beide Gruppen sind heute (Ende 2018) noch aktiv. Sie sind fßr ihre antifaschistische und antirassistische Grundeinstellung bekannt.
Im Laufe der Jahre bildeten sich weitere Ultragruppen in Marseille; die âYankee Nord 1987âcite-ref-31[31], âFanatiks 1988âcite-ref-32[32], âDodgers 1992âcite-ref-33[33] & die âMarseille Trop Puissant 1994â.cite-ref-34[34] Jede dieser Gruppen hat mehrere tausend Mitglieder. Die einzelnen Ultra-Gruppen haben feste Plätze in den beiden Fankurven und bekommen seitens des Vereins das Recht, die Karten fĂźr ihren jeweiligen Bereich inklusive eines mit dem Verein vereinbarten Aufschlags zu verkaufen. Mit dem Aufschlag finanzieren die Ultras in Marseille die Choreographien und die Auswärtsfahrten.cite-ref-35[35]
In Saint-Ătienne bildete sich mit den Gruppen âMagic Fans 1991â und âGreen Angels 1992â eine groĂe Ultra-Szene, die sich (wie in Paris, Lyon und Marseille) auf zwei Fankurven verteilt und zu den grĂśĂten und kreativsten des Landes zählt.cite-ref-36[36]cite-ref-37[37]
In Paris bildete sich 1985 mit den Boulogne Boyscite-ref-42[42] auf dem âKop de Boulogneâ ebenfalls eine erste Ultra-Gruppe. Sie wurde 2008 vom Innenministerium verboten, nachdem sie oft durch extrem gewaltbereites Auftreten sowie rechtsextreme Parolen und Symbolik bis hin zu Hakenkreuzencite-ref-43[43] aufgefallen war. Kurz zuvor hatten sie ein Spruchband mit der Aufschrift âPädophile, Arbeitslose und Inzest-Gezeugte, willkommen bei den Nordfranzosenâcite-ref-44[44] bei einem Ligapokalendspiel gegen den RC Lens präsentiert. Auf der anderen Fankurve von PSG, der âVirage Auteuilâ, versammelten sich die Gruppen Supras Auteuil, Lutece Falco, Authentiks, Grinta sowie bis zu ihrer AuflĂśsung die Tigris Mystic.cite-ref-45[45]
Die Fankurven standen sich aufgrund der unterschiedlichen politischen Ausrichtung (Kop de Boulogne = eher rechts, weià und franzÜsisch; VA = multikulturell, eher links) sehr feindselig gegenßber, was in zahlreichen Schlägereien untereinander mßndete, eine sogar mit Todesfolge.cite-ref-46[46] Sämtliche Pariser Ultra- und Hooligangruppen wurden daraufhin 2010 durch das franzÜsische Innenministerium verboten und sämtliche Fans in den beiden Fankurven erhielten Stadionverbot.cite-ref-47[47] 2016 wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem neuen Fanzusammenschluss Collectif Ultras Paris, der Vereinsfßhrung und der Polizei die Rßckkehr von organisierten Ultras in den Prinzenpark unter Auflagen ermÜglicht.cite-ref-48[48]
Es existieren zahlreiche weitere Ultragruppen bei anderen Vereinen auch in den tieferen Ligen.
Deutschland
Die ersten Gruppen auf deutschem Boden waren die 1986 gegrĂźndeten Fortuna Eagles Supporters beim SC Fortuna KĂślncite-ref-49[49] sowie 1989 die Soccer Boyz (heute: Ultras Leverkusen) aus Leverkusen.cite-ref-50[50] In den 1990er Jahren wuchs die âSzeneâ in Deutschland langsam; nach der Jahrtausendwende Ăźbernahmen in vielen Vereinen die Ultras die âVorherrschaftâ in den Fankurven gegenĂźber unorganisierten oder in herkĂśmmlichen Fanclubs organisierten Fans.
Ab Mitte der 2000er-Jahre erlebte die deutsche Ultra-Bewegung einen Boom an Mitgliedern, Sympathisanten und Gruppierungen. Im Zuge dieser als Vermassung bezeichneten Entwicklung konstatierten Fanforscher, dass die Ultras von der Subkultur zur inzwischen dominierenden Fankultur geworden sind. Durch Vermischung mit anderen Szenen, wie Hip-Hop, Punk, Graffiti und StreetArt strahlt die Ultra-Szene auch in andere Bereiche der Jugendkultur aus. So gibt es inzwischen eine Reihe von Graffiti-Filmen mit und von Ultras und diverse bekannte Musiker beziehen sich auf die Szene.
Das personelle Anwachsen habe die Bewegung allerdings auch verändert. Nach einer subkulturellen und teils politischen Phase werden seit den 2010er-Jahren mehr Gruppen als zunehmend selbstreferentiell beschrieben. Auch die Rolle der Gewalt hat einen neuen Stellenwert bekommen. Diese Veränderungen haben auch innerhalb der einzelnen Ultra-Gruppen zu Auseinandersetzungen gefßhrt, die in einigen Fällen unfriedlich ausgetragen wurden und zu Spaltungen und Neugrßndungen gefßhrt haben.cite-ref-51[51] So gab es beispielsweise bei Alemannia Aachen zwischen den linksgerichteten Aachen Ultras und der rechtsgerichteten Karlsbande gewalttätige Auseinandersetzungen im eigenen Stadion Tivoli.cite-ref-52[52]cite-ref-53[53]
Mittlerweile existieren bei fast allen Vereinen der oberen drei Ligen Gruppen, die sich selbst als Ultras sehen, auĂerdem auch in hierarchisch tieferen Spielklassen. Insgesamt soll es in Deutschland mehr als 25.000 Ultras geben, organisiert in mehr als 300 Gruppen.cite-ref-54[54]
Ultra-Bewegung gegen den DFB
Nachdem der Spalt zwischen der deutschen Ultra-Bewegung und dem Deutschen FuĂball-Bund immer grĂśĂer wurde, erklärte die Ultraszene âUltras Dynamoâ im Mai 2017 dem DFB symbolisch den Krieg. Im Armee-Outfit zogen rund 2.000 Dresdner durch Karlsruhe, zĂźndeten FeuerwerkskĂśrper, stĂźrmten das Stadion und hielten ein Banner mit der Aufschrift âKrieg dem DFBâ. Während die Aktion der Dresdner aufgrund des martialischen Auftritts stark kritisiert wurde, folgten am kommenden Spieltag Ăźber 30 Bekundungen anderer Ultraszenen.cite-ref-7-55-0[55]
In den 2000er-Jahren gab es bereits bundesweite Kampagnen der deutschen Ultra-Bewegung. Nach der Kampagne Pro15:30, der Fandemonstration zum Confederations Cup 2005 und der mehrere Jahre währenden Zusammenarbeit unter dem Label Zum Erhalt der Fankultur galt die Dresdner Initiative 2017 als Neubeginn der Vernetzung in Deutschland. Eine Vielzahl der Ultraszenen suchten das Gespräch, um einen gemeinsamen Protest zu organisieren. Die Treffen, die selbst mit untereinander verfeindeten Szenen stattfanden, waren in Deutschland bisher äuĂerst selten. Die Ultraszenen einigten sich auf Themen, wie die Aufklärung des sogenannten Sommermärchens 2006, das Ende der SpieltagszerstĂźckelung,cite-ref-7-55-1[55] fangerechte AnstoĂzeiten, Abschaffung von Kollektivstrafen, ein Ende der Korruption, den Erhalt der 50+1-Regel, eine Transparenz des Sportgerichts und ein Ende der Eventisierung.
Nach diesen Absprachen folgte in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde im August 2017 bundesweit ein ähnlich lautender Protest gegen den Verband. In 28 Pokalspielen folgten 32 Proteste.cite-ref-7-55-2[55] Der Druck auf den DFB wurde so groĂ, dass der er noch im August 2017 verkĂźndete, bis auf Weiteres auf Kollektivstrafen zu verzichten und einen âdieses mal ernst gemeinten Dialogâ anbot.
Am 9. November 2017 kam es zum ersten Dialog zwischen der VerbandsfĂźhrung und ca. 30 Vertretern der Ultra-Szenen. Beide Parteien vereinbarten einen Konsens bzw. eine Annäherung bei der Regionalliga-Aufstiegsregelung, den AnstoĂzeiten, erlaubten Fanutensilien sowie Stadionverboten.cite-ref-56[56]
Am 1. Juni 2018 fĂźhrte der DFB auch in der 3. Liga neue AnstoĂzeiten (Montagsspiele) ein, was die Ultra-Szenen zur AufkĂźndigung des Dialogs bewegte. Nur einen Tag zuvor fand das zweite Gespräch statt, bei dem der DFB den Fanszenen nichts von seinem Vorhaben verriet. Insgesamt bewerteten die Szenen den Dialog als gescheitert und kritisierten, dass keinerlei Verbesserungen eingetreten sind. Sie werfen dem DFB vor, den Dialog nur als âmediales Gesprächsangebotâ genutzt zu haben.cite-ref-57[57]
Ăsterreich
Auch in Ăsterreich gibt es einige Ultra-Gruppierungen mit einem unterschiedlichen Grad an Aktivität und Bekanntheit.
Die aktive Fanszene des SK Rapid Wien ist im Block West, im Weststadion, beheimatet. Die bekanntesten und aktivsten Gruppen sind unter anderem die Ultras Rapid Block West 1988, Tornados Rapid 1996, Lords Rapid 2004, Green Lions 2003, Spirits Rapid 1999 und die SAF 2012. Der SK Rapid zählt um die 230 Fanclubs.cite-ref-58[58]
Der SK Sturm Graz wird von der Nordkurve, im Stadion Liebenau unterstĂźtzt. Die grĂśĂten und fĂźhrenden Gruppen sind die Brigata Graz, Jewels Graz, Grazer Sturmflut und andere kleine Gruppen.cite-ref-59[59]
Der Grazer AK wird primär von der Red Firm und der Society Graz, im Sektor 22 des Liebenauer Stadions, unterstßtzt.cite-ref-60[60]
Zur Fanszene des FK Austria Wien gehĂśren die Kampfastlln Inzersdorf 2000, Alcatraz, sowie die Gladiators. Der Support findet im Ostblock des Franz-Horr-Stadions statt.cite-ref-61[61] Im April 2023 hat sich die damalige FĂźhrungsgruppe Viola Fanatics 2001 aufgelĂśst.cite-ref-62[62]
Der SV Austria Salzburg wird von Union ´99 UltrĂ Salzburg und anderen kleineren Fanclubs unterstĂźtzt.cite-ref-64[64] Besonders ist, dass die Fans den Verein nach der Ăbernahme der Red Bull GmbH neu gegrĂźndet haben und den Verein wiederbelebt haben.cite-ref-65[65]
Der FC Wacker Innsbruck wird vom Dachverband Tivoli Nord Innsbruck supportet. Ultrà gruppen sind die Szene Unterland 1913, I Furiosi, sowie Wacker Unser.cite-ref-66[66] Die Gruppe Verrßckte KÜpfe 1991 lÜste sich im Jänner 2023 auf.cite-ref-67[67]
Schweiz
In der Schweiz entstanden die ersten Ultra-Gruppierungen Mitte der neunziger Jahre in Genf (âGeneration Ultraâ/âSection Grenatâ), in Lugano (âArmataâ) sowie in Sion (siehe unten). Im Laufe der Jahre sind auch bei den meisten Deutschschweizer Vereinen Ultra-Gruppierungen entstanden; die wichtigsten sind in Basel, Bern, ZĂźrich, Luzern und St. Gallen beheimatet. In ZĂźrich findet man die Ultras in der sogenannten âZĂźrcher SĂźdkurveâ, welche den FC ZĂźrich unterstĂźtzt. Sie sind in der ganzen Schweiz bekannt fĂźr sehr kreative und aufwändige Choreographien. Vor allem aber auch beim Stadtrivalen Grasshoppers ZĂźrich (GC) gibt es drei groĂe Ultra-Gruppierungen (âBlue Sideâ, âBulldogsâ und âFanatic ZĂźrichâ) in der sogenannten âEstrade Ostâ. Zu erwähnen sind auch die âFormation Luzernâ (âFLâ), âBlue White Generationâ (âBWGâ), âLa Familia Luzernâ (âLFâ), âBlue Lineâ (âBLâ) oder âMusegg Frontâ (âMFâ), welche den FC Luzern unterstĂźtzen, die âUltras Sionâ, âFreaks Sionâ (mittlerweile aufgelĂśst), âLousy Scumâ oder âRed Sideâ des FC Sion, die âGreen Powerâ, die âFlashâ, die âCompadresâ, âBangor Maniacsâ, die âGreen Firesâ, die âCompadresâ, âSaint Brothersâ und die âJokersâ beim FC St. Gallen im Espenblock und die Ultra-Gruppierungen in der Ostkurve Bern der Young Boys Bern wie Maniacs, Urban Squad, Amici Berna, Bernerkanone, Schurken oder Wankdorf Supporters. Beim FC Thun gibt es den Block SĂźd Thun.
Hervorzuheben sind auch die âInferno Baselâ, âFanaticsâ, âGoodfellasâ, âKaosâ vom FC Basel, die in der âMuttenzerkurveâ beheimatet sind. Obwohl die Basler Fans fĂźr ihre aufwendigen Choreos bekannt sind, machte die Basler Szene auch immer wieder negative Schlagzeilen. Nach der knapp verpassten Meisterschaft 2006 (letztes Spiel) im eigenen Stadion gegen den FC ZĂźrich kam es zu einem Platzsturm und Ausschreitungen im und auĂerhalb des Stadions, nachdem der FC ZĂźrich in der 93. Minute das meisterschaftsentscheidende Tor schoss. Die Basler Ultra-Szene ist fĂźr ihre Krawalle bekannt; so wurde der Gästesektor im Stadion Hardturm der Grasshoppers ZĂźrich mehrmals in Brand gesetzt und dadurch Sachschaden verursacht.
Ende 2006 kritisierten viele Schweizer Städte die Liga und die Vereine, weil der grĂśĂte Teil nichts an die inzwischen notwendig gewordenen hohen Ausgaben der Städte fĂźr die Sicherheit (ab 100.000 CHF pro Heimspiel) bezahlt. In den letzten Jahren wurde die Gewalt bei Schweizer FuĂballspielen (von Ultras und Hooligans) von Medien und Politik stärker als frĂźher registriert und ist deshalb heute ein groĂes Gesprächsthema. Dies, obwohl sowohl Gewalt wie auch Sachschäden in den letzten Jahren deutlich zurĂźckgingen. Das beste Beispiel fĂźr eine nicht-repressive Fanpolitik wird in Basel derzeit umgesetzt, durch Selbstregulierung innerhalb der Fankurve konnten u. a. Ausschreitungen deutlich reduziert bzw. verhindert werden.
Niederlande
Eine groĂe Ultraszene hat insbesondere der Hauptstadtverein Ajax Amsterdam mit der bis 2016 agierenden Hauptgruppe Vak-410. Die Gruppe lĂśste sich u. a. wegen der baulichen Veränderungen zur neuen Saison (so gibt es in Zukunft eine komplette Stehplatzkurve im Unterrang) auf und trat in die berĂźhmt-berĂźchtigte F-Side ein, welche in der jĂźngeren Vergangenheit zunehmend ebenfalls sich in Richtung der Ultrakultur entwickelten. Weitere Gruppen sind South Crew, North Up Allianz und 4th.
Auch Feyenoord Rotterdam hat eine groĂe Ultraszene mit den De Noordzijde.
Weitere bekannte Ultraszenen haben die Vereine FC Twente (Ultras Vak-P, Born Fanatics), FC Groningen (Ultras Cruoninga), SC Heerenveen (Nieuw Noord), NEC Nijmegen (Legio Noviomagum), FC Utrecht (Bunnikside), u. a.cite-ref-68[68]
Polen
Die polnische Ultraszene gilt als eine der grĂśĂten Ultraszenen im europäischen Ländervergleich und es existieren bis in die 7. Liga hinab Ultragruppen. Die ist hier stark mit der Hooliganszene verwoben und zum Teil auch mit ihr identisch.
Als grĂśĂte Szenen gelten die Szenen von Legia Warschau sowie von Lech Posen.
Vereinigtes KĂśnigreich
Anders als auf dem europäischen Festland konnte eine Etablierung von groĂen Ultraszenen nie erreicht werden, was vor allem auf die repressiven Ordnungskräfte, das Verbot von zahlreichen Tifo-Materialien (Fahnen, Konfetti, Doppelhalter, Blockfahnen, Choreographien etc.), das Verbot von Stehplätzen, hohe Kartenpreise sowie eine groĂe Ablehnung vonseiten zahlreicher (älterer) Fans gegenĂźber der Ultra-Bewegung zurĂźckzufĂźhren ist.cite-ref-69[69]
Dennoch existieren bei den Vereinen Crystal Palace (Holmesdale Fanatics) und Celtic Glasgow (Green Brigade) sowie bei zahlreichen unterklassigen Vereinen Ultragruppen, wobei die Holmesdale Fanatics und die Green Brigade mit mehr als 150 Mitgliedern sicher die grĂśĂten sind.cite-ref-70[70]
2016 fßhrte Celtic Glasgow als erster Profiverein auf der Insel wieder Stehplätze (Safe Standing) ein, welche unter anderem von der Green Brigade benutzt werden.cite-ref-71[71]
Portugal
Die Juventude Leonina von Sporting Lissabon, gegrĂźndet im Jahr 1976, ist die grĂśĂte und älteste Ultra-Gruppierung in Portugal. Die Diablos Vermelhos und No Name Boys (abgekĂźrzt NN) hingegen unterstĂźtzen den Stadtrivalen Benfica. AuĂerdem gibt es die Super DragĂľes und Directivo vom FC Porto sowie die Torcida Verde, Directivo XXI und die Brigada, alle ebenfalls von Sporting. Andere Ultra-Gruppierungen sind weniger bekannt.
TĂźrkei
Wie im gesamten Balkanraum gehĂśrt auch die Szene in der TĂźrkei zu den ausgeprägtesten Ultra-Bewegungen Eurasiens. Neben den Gruppen der İstanbuler GroĂklubs ultrAslan (Galatasaray), Genç FB (Fenerbahçe) und ĂarĹÄą (BeĹiktaĹ) gibt es auch etablierte Gruppen vieler anatolischer Mannschaften, wie z. B. Vira (Trabzonspor), Teksas (Bursaspor), Gecekondu (MKE AnkaragĂźcĂź), ĹimĹekler Grubu (Adana Demirspor), Tatangalar (Sakaryaspor) und KarĹÄąyaka ĂarĹÄą (KarĹÄąyaka SK). Der TĂźrkische FuĂballverband und die Vereinsvorstände entscheiden zu Saisonbeginn, ob Ultra-Gruppierungen Spiele in den Stadien der âErzrivalenâ besuchen dĂźrfen. Bei den Istanbuler Stadtderbys und bei Spielen der rivalisierenden Clubs aus Izmir, KarĹÄąyaka SK und GĂśztepe Izmir, kommt es nicht selten zu Ausschreitungen.cite-ref-72[72] Insbesondere bei den Protesten auf dem Taksim-Platz im Jahr 2013 stellten die Ultras einen groĂen Teil der radikalen Demonstranten.cite-ref-0-2-4[2]cite-ref-4-7-4[7]cite-ref-2-13-1[13] Die ĂarĹÄą von BeĹiktaĹ wird z. T. als kriminelle Vereinigung angesehen.cite-ref-2-13-2[13]cite-ref-73[73]
Griechenland
Die Szene in Griechenland gilt als eine der extremsten Europas. Bei Duellen der groĂen Clubs im GroĂraum Athen (Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen, AEK Athen) kommt es häufig zu schweren Ausschreitungen. Deshalb ist es den dortigen Ultra-Gruppierungen seit einigen Jahren verboten, Derbys im Stadion des Gegners zu besuchen. Die bekanntesten Gruppen sind Thyra 13 (Gate 13, Panathinaikos), Thyra 7 (Olympiakos Piräus), Thyra 4 (PAOK), Autonomous Gate 10 (Iraklis Thessaloniki), Super3 (Aris Thessaloniki), Monsters (AEL) und Original 21 (AEK Athen).
Kroatien
Die älteste Ultra-Gruppierung in Kroatien ist die sog. Torcida von Hajduk Split. Die Gruppe hat ihre Wurzeln im Jahr 1950, als im Vorfeld eines entscheidenden Meisterschaftsspiels eine nach heutigen MaĂstäben ultraartige UnterstĂźtzung organisiert wurde. Nach dem raschen Verbot durch die jugoslawische StaatsfĂźhrung und der in den folgenden Jahren zwangsweise unorganisierten Anhängerschaft erfolgte 1980 eine Wiedergeburt. Heute sind die 1986 gegrĂźndeten Bad Blue Boys vom Hauptstadtklub Dinamo Zagreb die grĂśĂten Rivalen in der Szene. Zwischen den Mitgliedern der rivalisierenden Gruppen kommt es häufig zu schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen. Während der verheerenden Waldbrände rund um Split im Sommer 2017 unterstĂźtzen, zum Teil verfeindete Ultragruppierungen (z. B. von Hajduk Split und Dinamo Zagreb), gemeinschaftlich mit mehreren Hundert Anhänger die Feuerwehren bei der Brandbekämpfung.cite-ref-74[74] Des Weiteren erwähnenswert ist die Gruppe Armada, die den Verein HNK Rijeka unterstĂźtzt.
Serbien
Auch in Serbien gibt es bei vielen Vereinen Ultra-Gruppierungen. Die grĂśĂten Gruppen sind die Delije von Roter Stern Belgrad und die Grobari von Partizan Belgrad, aber auch bei OFK Belgrad, Rad Belgrad, FK Novi Pazar und Vojvodina Novi Sad gibt es grĂśĂere Gruppierungen. Weiter ist aber zu erwähnen, dass die WĂśrter Delije und Grobari eher zur allgemeinen Bezeichnung von Fans von Roter Stern Belgrad und Partizan Belgrad benutzt werden. Was auch heiĂt, jeder Fan von Roter Stern ist somit automatisch ein Delija und ein Fan von Partizan automatisch ein Grobar. Innerhalb der Delijas und der Grobaris gibt es neben unzähligen Fan-Gruppen und Fan-Clubs Ultra-Gruppierungen. Im Marakana-Stadion von Roter Stern Belgrad sind in ihrer âNordkurveâ die StĂźhle so eingerichtet, dass sie in Rot-weiĂ und in kyrillischer Schrift das Wort Delije (ĐоНиjĐľ, Mehrzahl von Delija) bilden. Die Benutzung von Pyrotechnik gehĂśrt in serbischen Stadien zum Alltag, auĂerdem kommt es im Umfeld von FuĂballspielen häufig zu GewaltausbrĂźchen.
Bosnien und Herzegowina
Die drei grĂśĂten Ultragruppierungen in Bosnien und Herzegowina sind die der beiden Hauptstadtclubs Horde Zla des FK Sarajevo und The Maniacs 1987 des FK Ĺ˝eljezniÄar Sarajevo sowie die aus Mostar stammenden Ultras Mostar des HĹ K Zrinjski Mostar. Weitere bekannte Fangruppierungen sind die Lesinari, Robijasi, Fukare, Red Army Mostar (FK VeleĹž Mostar) und Ĺ kripari (NK Ĺ iroki Brijeg). Der Gebrauch von Pyrotechnik ist in Bosnien und Herzegowina zwar verboten, gehĂśrt dort in den Stadien jedoch zum Alltag.
Dänemark
Bedeutendste Ultragruppen sind die Urban Crew vom FC Kopenhagen sowie die Gruppen Alpha Brøndby, Deling 43 und Fri Sport von Brøndby IF.
Weitere Gruppen sind die Nysir (Aarhus GF), Shamrock Ultras Viborg (Viborg FF), Ultras Midtjylland (FC Midtjylland), Nordvestkurve Esbjerg 2009 (Esbjerg FB), Vesttribunen (Aalborg BK).
Gerade das Hauptstadtderby (FCK gegen Brøndby) ist immer sehr hitzig und wird von beiden Fankurven mit groĂen Choreographien, Pyroshows und Corteos begleitet.
Schweden
Die Fanszenen der drei Hauptstadtclubs gelten als sehr kreativ und mitgliederstark, darunter sind auch zahlreiche Ultragruppen. Hier zu nennen wären: Ultra Caos Stockholm 2003 (Djurgürden), Hammarby Ultras 1993, SÜder BrÜder 1998, Ultra Boys 1999 (Hammarby), Black Army, Sol Invictus, Ultras Nord 2002 (AIK).
Auch auĂerhalb der Hauptstadt existieren bei Vereinen wie MalmĂś FF (Supras MalmĂś, Rex Scania, Brigada MalmĂś), IF Elfsborg (Yellow Fanatiks), Orgryte (Inferno Orgryte), GAIS (GAIS Tifo) oder IFK GĂśteborg (Ultras GĂśteborg) Ultragruppen.cite-ref-75[75]
Ukraine
In der Ukraine zeichnen sich vor allem die Ultras von Dynamo Kiew durch Gewalttätigkeit aus, die bei Spielen gegen Vereine aus dem Donbass wie Schachtar Donezk häufig eskalierten. Bei den Kämpfen auf dem Majdan 2014 traten sie z. T. bewaffnet auf.cite-ref-76[76] Die Ultras von Schachtar Donezk schlossen mit ihnen, Metalurh Saporischschja und anderen im Januar 2014 einen Burgfrieden, um gemeinsam auf dem Majdan zu demonstrieren.cite-ref-5-5-3[5]cite-ref-1-16-1[16]cite-ref-77[77] Die ukrainischen Ultras gelten als nationalistisch und beteiligen sich auch am Krieg im Osten des Landes.cite-ref-6-6-3[6]cite-ref-1-16-2[16]cite-ref-3-17-1[17]
Bulgarien
Die Ultragruppen von ZSKA sammeln sich im Sektor G. Die bedeutendsten Gruppen dort sind die Ofanziva und die Animals.cite-ref-7-55-3[55]
Die Gruppen von Lewski stehen im Sektor B. Einen weiteren bedeutenden Ultra-Anhang hat Lokomotive Plowdiw mit der Lauta Army.
Rumänien
Die erste Ultragruppe entstand 1992 mit den Ultras Farul in ConstanČa.
Im Verlauf der 1990er Jahre entstanden in Rumänien weitere Nachahmer dieser Gruppierung, wobei die 1995 gegrĂźndete Commando Viola Ultra Curva Sud vom Verein Politehnica Timisoara von den meisten ultraorientierten Fans in Rumänien als erste ârichtigeâ Ultragruppierung aufgrund ihrer Mentalität und des Auftretens angesehen wurde und wird.cite-ref-79[79]
Heutzutage haben die drei Hauptstadtvereine Rapid Bukarest (Ultras Unione 1998; O-H 1998; Maniacs 1999; Brigada 921), Steaua Bukarest (Chaos, Nukleo, Tineretului Korps, Vacarm, Ultras, Stil Ostil, Ragazzi, Hunters, Asalt, Banda Ultra) sowie Dinamo Bukarest (Nuova Guardia, Mad Men, Brigate, Panzer, Energizatii, Dogs of War, Tifosi) die grĂśĂten und meisten Ultragruppen des Landes.
Bei Politehnica Timisoara agieren unter dem Dachverband CVUCS die Gruppen Urban Guerilla, Masseria, UltraNativ und Drojdierii.
Auch weitere Vereine wie Universitatea Craiova (Ultras, Sezione Ultra', Praetoria), Petrolul Ploiesti (Knot, Lethal Gang), FC Vaslui (Dorobantii, Brigada Suprema, Radical) u. a. haben bekannte Ultraszenen.
Slowenien
In Slowenien gibt es aktive Ultra-Fanszenen in Ljubljana (Green Dragons), Maribor (Viole) und Nova Gorica (Terror Boys), die Ende der 80er Jahre/Anfang der 90er Jahre entstanden.
Spanien
In Spanien entwickelte sich die Ultraszene ab den 1970er und 1980er Jahren, wobei man sich hier sehr stark an Italien orientierte. Die wichtigsten Gruppen sind Biris Norte 1975 (FC Sevilla), Ultras Sur 1980 (Real Madrid); Boixos Nois 1981 (FC Barcelona); Frente AtlĂŠtico (AtlĂŠtico Madrid), Bukaneros (Rayo Vallecano), Riazor Blues 1975 (Deportivo La CoruĂąa).
Nahezu jeder Verein der oberen drei Ligen verfĂźgt Ăźber mindestens eine Ultragruppierung.
Ab Mitte der 1980er Jahre vermischte sich die spanische Ultraszene stark mit der Subkultur der Skinheads und ßbernahm auch häufig die politische Radikalität sowie die extreme Gewaltbereitschaft. So werden Gruppen wie Ultras Sur, Frente AtlÊtico, Ultras Yomus (FC Valencia) und viele andere zum rechtsextremen Spektrum gezählt, Gruppen wie Biris Norte, Bukaneros und andere zum linksextremen Spektrum. Andere wie Riazor Blues sind bekannt fßr ihre separatistischen Ansichten und treten offen fßr die Unabhängigkeit ihrer Region von Spanien ein.
Aufgrund mehrerer Todesfälle im Zusammenhang mit Gewalt durch Ultras und die extreme politische Einstellung vieler Gruppen ist der Ruf der Ultras in Spanien sehr schlecht und die Vereine und die Polizei gehen je nach Situation hart gegen die Ultras vor. Die Boixos Nois haben zum Beispiel seit 2003 beim FC Barcelona Stadionverbot.
Seit einigen Jahren entwickelt sich eine zweite Generation von Ultras, die sich wieder mehr am Support der Mannschaft orientieren und sich von der politischen Radikalität und der extremen Gewalt der ersten Generation deutlich distanzieren. Seit 2016 dßrfen 1.200 Mitglieder von 5 Ultragruppen, die dieser zweiten Generation zugerechnet werden, wieder in das Stadion des FC Barcelona.
Auch Real Madrid versucht mittels des Fanverbands RMCF den Einfluss der extremen Ultras Sur zurĂźckzudrängen und Abspaltungen von jener wie die Veteranos oder Orgulo Vikingo in dieser aufzufangen und zu mäĂigen.
Andere Sportarten
Handball
Seit dem Jahre 2000 entstehen auch beim Handball Ultra-Gruppierungen. Lange Zeit galten die Ultras Flensburg als erste und wichtigste Gruppe. Sie konnten sich durch die grĂśĂte StehplatztribĂźne der deutschen Handball-Bundesliga entwickeln. 2016 lĂśste sich die Gruppe auf.cite-ref-80[80] Später entstanden auch bei anderen deutschen Handballclubs Ultra-Gruppen. Im Ausland gibt es noch die Boys aus Aalborg (Dänemark) und die Florijani aus Celje (Slowenien). Dazu kommen viele Gruppen in den Ligen der osteuropäischen Länder.
Eishockey
⢠Deutschland: Hauptsächlich seit 2000/2001 setzte sich der Ultra-Gedanke auch in der deutschen Eishockey-Fanszene durch, und so sind in vielen Eishallen und Arenen von der DEL bis in die Oberligencite-ref-81[81] diverse Ultra-Gruppierungen zu finden. Erste ultraähnliche Gruppierungen bildeten sich jedoch schon frĂźher. Mitte der 1990er Jahre gab es in MĂźnchen die ersten Choreographien zu sehen und es bildeten sich die Munich Supporters. In Krefeld grĂźndete sich 1996 der Ultra-Club Red Line. Aber auch in Augsburg (Augsburg 98) und Schwenningen (SERC-Supporters 99) bildeten sich noch vor der Jahrtausendwende Gruppen. Choreographien und sonstige Ultra-Eigenschaften wurden zu dem Zeitpunkt noch sehr skeptisch gesehen, gehĂśren heute aber in vielen Hallen zum Usus. In der recht kleinen Szene bestehen sehr viele Kontakte unter den aktiven Leuten der verschiedenen Gruppen. UnregelmäĂig kommt es zu Gewalt zwischen den Ultra-Gruppierungen verschiedener Clubs.cite-ref-82[82]cite-ref-83[83]
⢠Schweiz: In Lugano sind die Ragazzi della Nord anzutreffen, in Ambri die GioventÚ Bianco BlÚ. Diese beiden Ultra-Gruppierungen und ihre Kurven gehÜrten lange zu den qualitativ stärksten in der Schweiz, die Ultra-Mentalität prägte die Kurven dieser zwei Tessiner Clubs viele Jahre, diese wurden aber inzwischen eingeholt durch die Szenen aus Zßrich, Rapperswil, Kloten, Lausanne, Langnau und Bern.
⢠Ăsterreich: Die grĂśĂten Gruppen existieren in Linz (Overtime, Powerplay Enns, Bully:Absolut), Wien (ICEFIRE, Vienna Hockeyfans, Die Optimisten, Fiaker Caps), Klagenfurt (Stiege 19, Red-White Dragons, Vikings, Sektion Wien, Sektion Graz), Graz (Niners, Grazer Lions, Grazer Oranje), Villach (Absolut Villach), Feldkirch (SĂźdchaos Feldkirch), Innsbruck (Haisociety Tirol) und Dornbirn (Dorobirar Ishacklar)
Basketball
Ende der 90er Jahre entstanden auch im Basketball Ultra-Gruppierungen, vor allem in sĂźdeuropäischen Staaten wie Serbien, Kroatien, Griechenland, Italien und Spanien. Aber auch in der TĂźrkei und Russland entwickelten sich im Basketball fanatische Fan-Gruppierungen. In Serbien, der TĂźrkei und vor allem in Griechenland gehĂśren Choreografien und Pyrotechnik (trotz groĂer Brandgefährlichkeit in den Hallen) zum Alltag. In einigen Ländern, so zum Beispiel in Griechenland und Kroatien, unterstĂźtzen die Ultras eines Vereins sowohl die FuĂball- als auch die Basketballmannschaft des Klubs. In Deutschland oder Frankreich gibt es trotz groĂer Beliebtheit des Basketballs so gut wie keine Ultra-Gruppierungen, jedoch Fanclubs wie die Ultras NĂśrdlingen, welche Merkmale von Ultra-Gruppierungen aufweisen. Weil Basketball aber in den letzten Jahren bis heute immer mehr an Beliebtheit gewinnt (Tendenz weiter steigend), ist nicht auszuschlieĂen, dass sich auch in nicht-sĂźdeuropäischen Staaten in den nächsten Jahren im Basketball Ultra-Gruppierungen entwickeln kĂśnnten. In SĂźdamerika (vor allem in Argentinien), aber auch in China gibt es im Basketball Ultra- und ultra-ähnliche Gruppierungen. In den USA, dem Mutterland des Basketballs, gibt es bis heute keine Ultra-Gruppierungen.
Literatur
⢠Nanni Balestrini: I Furiosi / Die Wßtenden. ID-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89408-088-4.
⢠Giovanni Francesio: Tifare Contro. Eine Geschichte der italienischen Ultras. 1. dt. Auflage. Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2010, ISBN 978-3-940159-07-6.
⢠Jonas Gabler: Die Ultras: FuĂballfans und Fankulturen in Deutschland. 2010, ISBN 978-3-89438-446-3.
⢠Domenico Mungo: Streunende KÜter. Ein Roman ßber zwei Jahrzehnte italienische Ultrakultur, Freundschaften, Kämpfe und Drogen. 1. dt. Auflage. Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2011, ISBN 978-3-940159-09-0.
⢠Giorgio Specchia: Il Teppista. 30 verfluchte Jahre in Mailand. 1. dt. Auflage. Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2012, ISBN 978-3-940159-11-3.
⢠Josef Gruber: Ultras Italien. Bildband 1998â2006. 1. Auflage. Burkhardt & Partner Verlag, Freital 2012, ISBN 978-3-940159-10-6.
⢠Martin Thein, Jannis Linkelmann (Hrsg.): Ultras im Abseits â Porträt einer verwegenen Fankultur. 1. Auflage. Verlag Die Werkstatt, 2012, ISBN 978-3-89533-847-2.
⢠Christoph Ruf: Kurvenrebellen: Die Ultras â Einblicke in eine widersprĂźchliche Szene. 2. Auflage. Verlag Die Werkstatt, 2013, ISBN 978-3-7307-0044-0.
⢠Ralf Heck: Zwischen Eigentor und Aufstand. Ultras in den gegenwärtigen Revolten. In: Kosmoprolet. Nr. 4, Berlin 2015.
⢠Gabriel Duttler, Boris Haigis (Hrsg.): Ultras â Eine Fankultur im Spannungsfeld unterschiedlicher Subkulturen. 1. Auflage. transcript Verlag, 2016, ISBN 978-3-8376-3060-2.
⢠Peter Czoch (Hrsg.): Ultras in Deutschland. 1. Auflage. Hirnkost Verlag, 2016, ISBN 978-3-943774-88-7.
⢠James Montague: Unter Ultras. Eine Reise zu den extremsten Fans der Welt. Copress Verlag, Grßnwald 2020, ISBN 978-3-7679-1269-4.
⢠Pierluigi Spagnolo: Stadionrebellen â Eine Geschichte der italienischen Ultrabewegung. (deutsche Ăbersetzung), Erlebnis Fussball Verlag, 2020, ISBN 978-3-00-064389-7.
Kunst
⢠Dirk Laucke Ăźber sein Theaterprojekt âUltrasâ mit radikalen Fussballfans in Halle. Eine ganz normale Beschimpfung? Von Dirk Laucke.
⢠Metropol Theater. I Furiosi nach Nanni Balestrini. Das ist Kult. Von C.M.Meier.
⢠Männer, FuĂball und Gewalt. âI Furiosi â Die WĂźtendenâ, eine Inszenierung von Regisseur Sebastian NĂźbling, zu Gast im Bochumer Schauspielhaus. Von Karsten SchĂźle.
⢠Eine Kunsthistorikerin erklärt, warum Choreos zeitgenÜssische Kunstwerke sind. Von Donny le Duc.
⢠FuĂballfans im Herbstsalon. Besprechung der Video-Installation 4. Halbzeit von Wermke/Leinkauf. Von Ralf Heck.
Audio
⢠âDas sind gar keine Fans, das sind Chaotenâ. Joachim Hermann im Gespräch mit Sarah Zerback. Deutschlandfunk.
⢠Ultragruppen kochen ihr eigenes Sßppchen. Jonas Gabler im Gespräch mit Klaas Reese. Deutschlandfunk.
⢠Die Hippie-Hools vom Gezi-Park. Feature von Ralf Heck, James Steen und Bob Dilan. footballuprising.
Interview
⢠Das System muss implodieren. Interview mit Kai Tippmann. Von Alex Raack. 11 Freunde.
⢠Das groĂe Interview mit Fanforscher Jonas Gabler â TEIL I. Von Kim HeeĂ.fanzeit.
⢠Das groĂe Interview mit Fanforscher Jonas Gabler â TEIL II. Von Kim HeeĂ. fanzeit.
⢠Ultrakultur ist nicht in erster Linie Gewaltkultur. Interview mit Gunter A. Pilz. Von Peter RÜmer. Transparent.
⢠Christoph Ruf Ăźber sein Buch âKurvenrebellenâ. Von Heiko Buschmann. RevierSport.
⢠Zwischen Rebellion und Affirmation, oder: Ultras sind politisch und auch wieder nicht. Interview mit Ralf Heck. Von Stefan Erhardt. Der tÜdliche Pass. Heft 79.
⢠Lieder der Revolte. Interview mit Ralf Heck. Von Florian Nussdorfer. fanzeit.
Weblinks
Commons
: Ultras
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Sie kÜnnen sich ihre Wappen selber basteln. In: FAZ. 23. November 2005, S. 3.
⢠Ronny Blaschke: Ultras, Hooligans, Hooltras? In: Spiegel Online. 21. Juni 2007.
⢠Ralf Heck: Die italienische Liga ist längst nicht mehr die schÜnste der Welt In: NZZ am Sonntag. 26. Januar 2019.
⢠Ein Jahr unter Ultras Dokumentation, Sportschau, 44 Minuten
Einzelnachweise
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cite-note-8282. â Reaktion auf Fan-Krawalle im Eishockey: âHooliganismus gegenĂźber haben wir null Toleranzâ. In: tagesspiegel.de. 28. November 2019, abgerufen am 8. Dezember 2022.
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